Temu und Co.
Derzeit wild diskutiert: Bestellungen bei Temu, Wish, AliExpress, Shein und ähnlichen Portalen. Bis 150 EUR Paketwert fällt kein Zoll an. Die Preise sind (teils) deutlich geringer als hierzulande. Erzählt wird uns, das liegt an mangelnden Sicherheitsstandards, an Giftstoffen im Produkt und so weiter und so fort. Auch ich bestelle hin und wieder bei Temu. So habe ich bereits eine weite Palette aus deren Angebot selbst testen und mir eine Meinung bilden können.
Noch nie hat eine Lieferung nach dem öffnen merkwürdig gerochen. Nicht nach Kunststoff, nicht anders undefinierbar. Egal, ob Kleidung darin war oder andere Artikel. Die Handytasche von Amazon hingegen roch auch nach Wochen immer noch so stark nach Kunststoff, dass ich sie zunächst in der Garage aufbewahrt hatte. Die Kleidung, welche ich bei deutschen Supermärkten oder Kleidungsdiscountern gekauft habe, trägt im Label die gleichen Produktionsländer als die von Temu. Ebenso verhält es sich bei Kleidung aus dem klassischen Versandhandel. Und ob man es nun glauben will oder nicht: Auch in Läden mit hochpreisiger Kleidung sieht das bei der weit überwiegenden Zahl der Stücke nicht anders aus.
Mein Lumenstick von Temu (12 EUR) sieht aus wie der Zwilling desjenigen eines deutschen Versandhandels (49 EUR). Möchte mir wirklich jemand erzählen, die beiden kämen aus einem anderen Werk? Oder würden einen anderen Herstellungsprozess durchlaufen? Weiter mit etwas ganz einfachem und billigen. Ein Zwiebelschneider. Sieht aus wie ein überdimensionaler Kamm: Einige Edelstahlzinken stecken in einem Kunststoff-Handstück. Für 0,88 EUR bei Temu. Zwischen 5,00 und 7,00 EUR beim deutschen Online-Handel. Aussehen absolut identisch. Letztere sind dann also aus einem anderen Kunststoff? Zertifiziert? Nachhaltig hergestellt? Eben den europäischen Standards entsprechend? Echt jetzt? So einen geistigen Dünnpfiff glauben Menschen?
Wenn ich bei Temu 0,88 EUR für ein solches Teil zahle, was zahlt dann der große (Online-)Händler bei Massenabnahme von x-tausend Stück pro Einheit? Spinnen wir den Gedanken weiter: Dank seiner Marktmacht/Kaufkraft drückt der Großeinkäufer den EK-Preis richtig schön tief. Auf der Strecke bleibt der Hersteller. Hierzulande wird dann zu genannten Preisen verkauft. Auf der Strecke bleibt der Konsument. Die riesige Spanne zwischen EK und VK? Sackt der Händler ein. Das ist nachhaltig? Das ist fair? Und bringt uns zum nächsten Thema:
Wer bei Temu und Co. kauft, der schadet dem deutschen Einzelhandel. Womöglich. Doch der verkauft den allergleichen Schund. Bloß mit einer satten Marge! Das ist keine normale Gewinnkalkulation mehr. Das ist Gier. Und nachdem hier mittlerwile an jeder Ecke die Gier um sich greift (nach Vorbild der ReGIERung), ist der Kauf bei asiatischen Plattformen häufig die einzige Möglichkeit, sich Dinge zu gönnen oder um mit den eigenen knappen Mitteln zu wirtschaften. Es ist die völlig legitime Möglichkeit, im kleinen genau das zu tun, was Unternehmer seit Jahr und Tag in großem Stil tun.
Wenn nun also die Zollfreigrenze wegfällt und damit die Preise für den Kleinbesteller steigen, Handling-Pauschalen on top kommen, dann ist das nichts anderes als dem kleinen Mann einmal mehr zu Gunsten von Unternehmen und dem Staat in die Tasche zu greifen. Denn die offizielle Begründung ist hier ebenso dünn wie die, dass die CO2-Abgabe in irgendeiner Form das Klima schützt.


